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Geschichte der Sozialistischen Jugend - die Falken

Ursprünge in der Arbeiterjugendbewegung (ab 1904)

Die Geschichte der Sozialistischen Jugend Deutschlands – Die Falken ist eng mit der Arbeiterjugendbewegung verbunden. Ein prägendes Ereignis markiert ihren Anfang: 1904 wird im Berliner Grunewald die Leiche eines Lehrlings gefunden, der nach schweren Misshandlungen durch seinen Lehrmeister Suizid begangen hat. Da solche Fälle im Wilhelminischen Kaiserreich keine Ausnahme sind, schließen sich 24 sozialistisch orientierte junge Arbeiter zusammen, um einen Verein für Lehrlinge und jugendliche Arbeiter zu gründen.

Ihr Ziel ist es, die besonderen Interessen der Arbeiterjugend gegenüber Unternehmen zu vertreten und zugleich Räume für Gemeinschaft, Austausch und politische Diskussion zu schaffen. Aus dieser Initiative entsteht 1909 – mit Unterstützung des SPD-Parteivorstands – die „Zentralstelle für die arbeitende Jugend Deutschlands“. Mit der Zeitschrift Arbeiter-Jugend verfügt die Bewegung über ein eigenes Medium, das bis zu seinem Verbot 1933 monatlich erscheint und Auflagen von bis zu 100.000 Exemplaren erreicht.

Brüche, Krieg und Neuformierung

Während des Ersten Weltkriegs kommt es zum Bruch zwischen der sozialistischen Jugendbewegung und der SPD. Viele junge Sozialist*innen lehnen die Zustimmung der Sozialdemokratie zu den Kriegskrediten ab und vertreten ein pazifistisches, sozialrevolutionäres Weltbild. Nach der Novemberrevolution, den Rätebewegungen und der Spaltung der Arbeiterbewegung stabilisiert sich die sozialdemokratische Landschaft in der Weimarer Republik allmählich neu.

In diesem Kontext entstehen zwei zentrale Organisationen: 1922 die Sozialistische Arbeiterjugend (SAJ) und 1923 die Reichsarbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde Deutschlands. Beide entwickeln sich rasch zu Massenorganisationen mit insgesamt über hunderttausend Mitgliedern – dem damals stärksten Jugendverband Deutschlands.

Die Falken und die Kinderrepubliken der Weimarer Republik

Mitte der 1920er Jahre übernimmt die SAJ die Bezeichnung „Falken“ von den österreichischen Kinderfreunden. Die Gruppe der 14- bis 16-Jährigen nennt sich fortan „Rote Falken“. Der Falke wird zum Symbol für Freiheit, Stärke und Solidarität.

Besonders prägend sind die Kinderrepubliken: große Ferienzeltlager, an denen Tausende von Kindern teilnehmen. Hier erleben sie eine Erziehung jenseits autoritärer Zwänge. Durch Selbstverwaltung, gemeinsame Entscheidungen und solidarisches Zusammenleben üben sie demokratische und sozialistische Prinzipien praktisch ein. Gemeinschaft, Abenteuer und politisches Selbstbewusstsein verbinden sich – sichtbar auch in Liedern, die bis heute Teil der Falkentradition sind.

Verbot und Verfolgung im Nationalsozialismus (1933–1945)

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 werden die Falken und alle sozialistischen Jugendorganisationen verboten. Führungspersonen werden verhaftet, gehen ins Exil oder beteiligen sich am Widerstand. Viele prägende Persönlichkeiten der späteren SPD, darunter Willy Brandt und Erich Ollenhauer, haben ihre politischen Wurzeln in der sozialistischen Jugendbewegung dieser Zeit.

Neuanfang nach 1945: Gründung der Sozialistischen Jugend Deutschlands – Die Falken

Nach dem Zweiten Weltkrieg beginnen ehemalige Mitglieder der SAJ und der Kinderfreunde in den westlichen Besatzungszonen früh mit dem Wiederaufbau sozialistischer Jugendarbeit. Obwohl politische Organisationen zunächst nicht erlaubt sind, entstehen zahlreiche lokale Gruppen unter dem Dach kultureller und pädagogischer Jugendarbeit.

Vom 26. bis 28. Juli 1946 wird auf der ersten SPD-Jugendkonferenz in Nürnberg aus der Reichsarbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde und der Sozialistischen Arbeiterjugend eine gemeinsame Organisation gegründet: die Sozialistische Jugend Deutschlands – Die Falken. Sie versteht sich als unabhängige, einheitliche sozialistische Kinder- und Jugendorganisation für Kinder und Jugendliche im Alter von etwa 6 bis 20 Jahren.

Ziel ist es, Nachkriegskinder und -jugendliche vor geistiger und körperlicher Verwahrlosung zu schützen und ihnen Solidarität, Verantwortungsbewusstsein, demokratische Mitbestimmung und sozialistische Ideen zu vermitteln. Die Organisation gliedert sich in verschiedene Altersstufen – von Nestfalken über Jungfalken bis zu den Roten Falken – und knüpft bewusst an die Traditionen der Vorkriegszeit an.

Die Falken heute

Heute ist die Sozialistische Jugend Deutschlands – Die Falken ein unabhängiger, selbstorganisierter politischer und pädagogischer Kinder- und Jugendverband in der Tradition der Arbeiterbewegung. Die Falken setzen sich für ein solidarisches Leben in Freiheit und Gleichheit ein und kritisieren gesellschaftliche Verhältnisse, in denen wirtschaftlicher Profit über menschliche Bedürfnisse gestellt wird.

Sie wenden sich gegen Ausbeutung, Herrschaft und Unterdrückung und positionieren sich klar gegen Rassismus, Antisemitismus, Sexismus, Homophobie und andere Formen von Diskriminierung. Ihr Selbstverständnis ist antikapitalistisch, antirassistisch und antipatriarchal – und verbindet politische Bildung mit Freizeit, Selbstorganisation und gemeinsamen Erfahrungen.

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